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Zeitnotstand – auch im Wachstum

Kennen Sie noch einen Menschen im Geschäftsumfeld, der „reichlich Zeit“ hat? Der Stress hat sie alle im Griff. Neulich saß ein leitender Angestellter neben mir und erzählte, dass sein Terminkalender im Konzern im halbstündlichen Abstand mit neuen Terminen gefüllt sei. Oh!

Als Unternehmer im wachsenden Unternehmen oder als Führungskraft mit einem wachsenden Bereich sind das für Sie bekannte Phänomene. Meiner Erfahrung nach ist es auch keineswegs nur so, dass man sich seinen Zeitnotstand selbst „bastelt“ – es gibt Zeiten größerer Verdichtung, zum Beispiel dann, wenn Kundenprojekte in eine „heiße Phase“ kommen.

Dennoch gibt es Glaubenssätze, die den Stress vergrößern –  und ein „Wachstumsgebot“ für Unternehmer, was das eigene Zeitmanagement angeht:

in vielen Unternehmen gelten Stress und Zeitnot als sexy. Wer so viele Termine hat, muss doch wichtig (und unentbehrlich) sein!
Und: wer nicht mitmacht, kann nicht wirklich engagiert sein, oder?

Der Psychologe und Marktforscher Stephan Grünewald sprach im Interview mit dem Stern von einem „Erschöpfungsstolz“ der Deutschen (Quelle: „Stern“ 7/2013, Link zum Interview):

„Ob es ein produktiver Tag war, macht der Mitarbeiter nicht mehr am Werk fest, sondern am Ausmaß seiner Erschöpfung“.

Dahinter wiederum steht der Glaubenssatz: wer viel tut, bewirkt auch viel!

Leider haut das nicht hin, wie uns schon Pareto sagte: es gilt, die Tätigkeiten zu vertiefen, die eine große Wirkung haben, die unsere mittel- und langfristigen Ziele unterstützen.
Wer immer mehr tut, läuft Gefahr, diese wirksamen Tätigkeiten gar nicht mehr zu sehen – er hat ja so viel zu tun!

Unternehmer und Führungskräfte im Wachstum kommen mit „Immer-Mehr-tun“ sehr schnell an ihre Grenzen. Viel hilft eben nicht viel.

Die Zeit des Unternehmers ist nicht beliebig dehnbar; generell ist Zeit nicht vermehrbar, im Gegensatz zu anderen Produktionsfaktoren. Ist sie vergangen, kommt sie nicht wieder, weder als Lebens- noch als Arbeitszeit.

Im Wachstum wird es immer wichtiger, dass der Unternehmer (und teilweise auch die Führungskräfte) nicht mehr operativ und IM Unternehmen, sondern AM Unternehmen, an dessen Aufstellung, Ausrichtung, an der Produktentwicklung und den strategischen Fragen arbeiten.

Je fachlicher und kleinteiliger ein Unternehmer unterwegs ist, desto gefährdeter ist sein erfolgreiches Unternehmenswachstum.
Das haben Studien immer wieder gezeigt: wächst das Unternehmen, so muss auch der Unternehmer sich verändern – nicht dessen Aufgabenumfang, sondern seine Rolle!

Deshalb gilt es, aktiv die Voraussetzungen zu schaffen, um immer mehr AM Unternehmen arbeiten zu können – und die Strukturen und Rollen der Mitarbeiter so zu formen, dass das auch möglich wird.

Wie das aussehen kann – dazu mehr im nächsten Blog.

 

 

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